Partei des Volkes Partei des Volkes Partei des Volkes
Politik Ziele Philosophie Presse
Anmeldung Spende Termine Sitemap Startseite
Kontakt Newsletter Forum Impressum

zurück

Gesundheitswesen
Staatliche Fieberkurve?

Das Gesundheitswesen, das seinen Bürgern die erforderliche Sicherheit und Heilung gewähren kann, kostet sehr viel Geld. Wenn heute verstärkt von der Solidargemeinschaft der Versicherten die Rede ist, muss auch Berücksichtigung finden, dass diese Solidargemeinschaft auf Dauer angelegt ist und Gäste in dieser Gemeinschaft unter Umständen weniger aus dem gemeinsamen Topf holen können als solche Mitglieder, von denen absehbar ist, dass sie von Geburt bis zum Tod diesem System treu bleiben.

Diese oben schon grundsätzlich geklärte Problematik bedarf hier nicht unbedingt weiterer Vertiefung. So viel sei jedoch in diesem Zusammenhang noch angemerkt:

Neu Hinzutretende können nicht von Anfang an das volle Spektrum des hiesigen Gesundheitssystems ohne Gegenleistung erwarten, sondern müssen von Anfang an darauf vorbereitet werden, dass die Differenz zwischen dem Heimatstaatniveau und dem hier üblichen Standard der kostendeckenden Zuzahlung des Patienten bedarf.

Ein anderer Punkt der Kostensparung betrifft die unerwünschte Lebensverlängerung. Oftmals werden Menschen unendlichen Qualen unterworfen, indem ihnen ein nicht mehr lebenswertes Leben gegen ihren Willen aufgedrängt wird. Bereits unter dem Aspekt der Menschenwürde darf so etwas nicht zur Regel werden.

Es entspricht einer schon krankhaften Übersteigerung eines überlebten Humanismus, dass Leben mit allen Mitteln erhalten werden muss, wenn es eigentlich aufgrund der Gegebenheiten nicht mehr erhalten werden kann und von selbst erlöschen würde.

Sophistisch wäre in diesem Zusammenhang die Frage, ob der Einzelne in einer derartigen Situation überhaupt von der Solidargemeinschaft verlangen kann, dass derartige - letztlich unnötige - Kosten akzeptiert und getragen werden. Es fehlt nämlich in einem solchen Fall die Möglichkeit der Willensäußerung, so dass ohnehin vom mutmaßlichen Willen auszugehen ist.

Unter diesem Aspekt kann ohne weiteres angenommen werden, dass ein mutmaßlicher Wille des menschlichen Individuums einem menschenwürdige Ende nicht entgegenstehen kann. Ohne in diesem Zusammenhang auf Kosten einzugehen, bedarf es einer menschlichen und menschenwürdigen Entscheidung, die kontrollierbar und kontrolliert sein muss.

Das Instrumentarium für eine derartige, im wahrsten Sinne des Wortes lebenswichtige Entscheidung kann sehr vielfältig sein, um den Interessen aller irgendwie Beteiligten gerecht zu werden und darf letztlich nicht das Gesundheitswesen über Gebühr belasten. Dabei ist selbstverständlich eine strikte Hierarchie der Entscheidungen zu wahren:

In erster Linie liegt die Entscheidung beim Betroffenen selbst. In zweiter Linie bei nahen Verwandten und so fort.

In besonderem Umfang wird heute über den gesetzlich Versicherten gespart. Dabei wird die Akzeptanz des Sparens bei den Betroffenen dadurch besonders erschwert, dass diese letztlich gar keine Kenntnis über die Abrechnung erhalten, sondern lediglich mit dem Krankenschein einen "Blankoscheck" hingeben und selbst bei der Kontrolle der Leistung ausgeschlossen bleiben.

Dieses System wird der Rolle des mündigen Bürgers ebensowenig gerecht wie dem Umstand, dass der Arzt letztlich eine Entscheidung treffen muss, die nicht in erster Linie unter einem Kostendiktat stehen darf. Die Errechnung eines Budgets ohne konkrete Beurteilungsspielräume verstößt im Prinzip schon an sich als Ungleichbehandlung gegen den Gleichheitssatz, denn hier wird deutlich ungleiches gleich behandelt.

Das System muss somit zum einen dem bevorzugten Menschenbild angepasst werden, zum anderen insgesamt transparenter werden. Daraus folgt, dass der gesetzlich Versicherte grundsätzlich Herr des Geschehens zu bleiben hat und nicht jede Verantwortung mit dem Krankenschein abgibt.

Ihm gegenüber hat die verrechnende Stelle - vergleichbar den Privatpatienten - eine Rechnung zu erteilen, die dieser dann bei seinem Versicherungsträger einreichen kann, gegebenenfalls mit Anmerkungen versehen. Ein solches System würde mehr sparen als sämtliche Versuche bisheriger Kostendämpfung. Der Kranke würde wieder mehr Individuum und Entscheidungsträger und weniger Patient, d. h. Leidender sein.

Schließlich wäre im Rahmen der Eigenverantwortung auch daran zu denken, Anreize zu geringerer Schadenshäufigkeit analog der jetzigen Schadensfreiheitsrabatte bei der Fahrzeugversicherung zu schaffen. Ein solches System kombiniert mit einem System besserer Vorsorge wäre geeignet, insgesamt der Gesundheit ebenso zu dienen wie dem Kostensystem der gesetzlichen Krankenversicherung.

Bei der Finanzierung müsste eine individuellere Abstufung möglich sein: An einem umfassenden Schutz im Sinn einer "Luxusedition" kann nicht ohne weiteres der Arbeitgeber zur Hälfte beteiligt werden. So gesehen müsste das System abgestuft gestaltet sein. Einen weitgehenden Basisschutz finanzieren Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu gleichen Teilen. Weitergehende, besonders kostenintensive, medizinisch nicht unbedingt notwendige Maßnahmen kann der Einzelne selbst versichern.

Ein solches System würde Arbeitskosten senken und damit Arbeitsplätze schaffen, bei gleichzeitiger internationaler Konkurrenzfähigkeit der hiesigen Löhne. Auch hier könnte nach einem gewissen Leistungsschema der Staat stärker am Versicherungsschutz bestimmter Bürger beteiligt werden, und so diese selbst und die Arbeitgeber in angemessenen Umfang entlasten. Man denke in diesem Zusammenhang beispielsweise an die Kosten einer Schwangerschaft mit Vorsorge und Entbindung sowie Nachbehandlung. Es ist nicht einzusehen, daß Kosten, die hierfür anfallen, rechnerisch dem Arbeitgeber und dem Betroffenen direkt zugeordnet werden, indem dort über Krankenschein abgerechnet wird. Während versicherungstechnisch hier vom "Geburtsrisiko" die Rede ist, sollte sich ein vernünftiger Staat, der auf seine Zukunft baut, nicht lumpen lassen und sämtliche Kosten die mit einer Geburt in Zusammenhang stehen, ohne Rücksicht auf die Versicherungsart der Betroffenen übenehmen. Eine solche Praxis würde fördernd und entlastend zugleich zukunftsorientiert wirken.

copyright © 2000 Partei des Volkes e.V., Deutschland.   Alle Rechte vorbehalten.